Von Oberau zum Plansee – ein Kurztrip nach Österreich

Urlaub!
Was für ein herrliches Wort.
Für einen Kurzurlaub der besonderen Art habe ich für Euch einen Geheimtipp: Die Zugspitzregion bei Garmisch-Partenkirchen. Normalerweise ist diese Region im Winter fest in der Hand der Skifahrer, liegen doch die Rabenkopf Skilifte nur einen Steinwurf weit entfernt. Doch auch im Sommer kann man hier einiges erleben und sehen. Ganz in der Nähe von Garmisch liegt Oberau. Im Sommer ist es nicht schwierig hier ein Zimmer zu bekommen. Oberau ist auch der Start für unseren Abstecher nach Österreich. Los geht’s an der Oberauer Alm, einem nette Restaurant, im dem man so richtig gemütlich sitzen und sich Schweinshaxe und Bier schmecken lassen kann (natürlich erst nach der Tour).

Zunächst folgen wir der Ettaler Straße, die nach einer gewaltigen Spitzkehre (Achtung!) zur B 23 wird. Hier können wir dann richtig criusen. Und die Landschaft geniessen. Ein paar größere Kurven gibt es dann doch. Also immer schön vorsichtig fahren. Nach undgefähr 5 bis 6 km kommt Ettal in Sicht. Hier biegen wir rechts ab. Der erste Stop der Tour:

Die Benediktinerabteil Kloster Ettal
Kaiser Ludwig, der Bayer gründete das Kloster am 28. April 1330. Durch den Avignoner Papst Johannes XXII. Wurde er exkommuniziert, da der Papst nicht mit der Krönung Ludwigs zum Kaiser durch Sciarra Colonna in Rom einverstanden war. Im Gegenzug verkündete Ludwig die Absetzung des Papstes und unterstützte die Wahl von Nikolaus V. Auf der heimreise von Pisa nach Deutschland kam er auch in Ettal vorbei und gründete dort ein „Kloster von neuer und unerhörlicher Art“. Das neue und unerhörlliche war, dass es neben einem Mönchskloster und einem Frauenkonvent auch ein Ritterkonvent beherbergte. Aus Pisa brachte Ludwig ein Marienbild mit, welches er dem Kloster stiftete und das nunmehr als Ettaler Madonna zum Ziel von Wallfahrten wurde. Nach „nur“ 40-jähriger Bauzeit wurde die Klosterkirche am 15. Mai 1370 vom Freisinger Fürstbischof Paul geweiht. Doch erst im 17. Und 18. Jahrhundert erfuhr das Kloster einen lebhaften Aufschwung. Bis dahin war es im vergleich zu anderen altbayerischen Abteien eher unbedeutend. Der Abt Placidus Seitz gründete 1710 im Ritterkonvent eine Ritterakademie und schuf damit die schulische Tradition der Benediktinerabtei. Gelehrt wurde zu dieser Zeit vor allem Kaiserliche Verwaltung Kurbayerns sowie Kriegswissenschaften (insbesondere Ballisik, Militär- und Zivilbaukunst). Das Besondere daran waren die praktischen Anwendungen, z.B. Schanzenbau oder Schießübungen. 1744 wurden bei einem Brand Kirche und Kloster fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau wurde im Stil des Hochbarocks ausgeführt. Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage (was auch Ludwig, dem Bayern zu verdanken ist) wurde das Kloster ein Anziehungspunkt für Wallfahrer und somit entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten Benediktinerklöster im Alpenraum. Interessant ist auch, dass 1790 das Kloster den sogenannten „Blutbann“ erhielt. Der „Blutbann“ bedeutet, dass die gesamte Gerichtsbarkeit beim Abt und dem Konvent lagen. Neben der Nieder- und Urkundsgerichtsbarkeit lag auch die Hohe Gerichtsbarkeit beim Abt, der somit auch die Todesstrafe verhängen konnte. Am 21. März 1803 wurde per Säkularisation (staatliche Einziehung oder Nutzung kirchlicher Besitztümer) ddas Benediktinerkloster als solches aufgelöst. In der Folge wechselte es merhfach den Besitzer. Baron Theodoer von Cramer-Klett erwarb 1898 die Gebäude und schenkte sie dem Kloster Scheyern. Seit 1900 leben wieder Benediktiner in Ettal. Seit 1907 ist das Kloster wieder eine eigenständige Abtei. Aus der Tradition der Ritterakademie entwickelte sich ein humanistisches und neusprachliches Gymnasium nebst einem Internat (ein weiter Weg von den Kriegswissenschaften zum Humanismus). Daneben beherbergt das Kloster eine Verlag, eine Buchhandlung, ein Hotel, mehrere kleine Gasthöfe und natürlich die Brauerei und Destillerie zur Herstellung des bekannten Klosterlikörs. Ein Fläschchen kann man sich getrost mitnehmen – für sich oder als Mitbringsel.

Nach der Besichtigungstour geht es wieder weiter. Nicht weit hinter dem Kloster biegen wir links ab auf die St2060. Zunächst fahren wir ein kurzes Stück zwischen Feldern entlang. Wenig später ist zu unserer linken dichter Wald, der etwas Schatten spendet. Wenn wir einige Kilometer weiter rechts abbiegen würden, kämen wir zum Ettaler Weidmoos, welches durch die Ammer gespeist wird. Doch wir wollen weiter. Die Straße schlängelt sich durch Felder und Wälder. Da sie keine steilen Kurven hat, können wir die Maschinen gut laufen lassen. Immer weiter geht es, durch das kleine Örtchen Graswang hindurch, immer der St2060 entlang. Wir überqueren die Brücke über die Linder und kurz darauf kommt die Brücke über den Elmaubach, einem Zufluss der Linder. Nach der zweiten Brücke kommt eine kerzengerade Strecke durch den Höllgraben. Einige Kilometer und sanfte Kurven weiter biegen wir erneut rechts ab zu Schloß Linderhof.

Schloß Linderhof ist eines der Schlösser des Märchenkönigs, Ludwig II. Ursprünglich hatte der Vater, Max II. an dieser Stelle ein „Königshäuschen“ errichten lassen. Dazu wurde ein altes Bauernhäuschen zu einem Jagdsitz umgebaut. Ludwig ließ es vorsichtig abbauen und ca. 200 m westlich des heutigen Schlosses wieder aufbauen. Der Bau des Schlosses erfolgte in meheren Bauabschnitten von 1870 bis 1886. Es ist im Übrigen das kleinste der drei Schlösser Ludwigs II., gilt aber allgemein als Lieblingsschloss des „Märchenkönigs“. Ursprünglich plante der König an dieser Stelle ein Schloss im Stil von Versailles. Nach Abstammung war Ludwig eng mit dem Hause Burbon, dem französichen Königshaus verwandt und konnte sich für die materielle Kultur der an den Höfen der absolutistischen herrscher Frankreichs begeistern. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Platz für ein zweites Versailles an dieser Stelle nicht ausreichte. Diese Pläne wurden später auf der Herreninsel im Chiemsee zum Teil verwirklicht. An der Stelle des geplanten Schlosses schaffte sich Ludwig II. ein Refugium ähnlich der Anlage Marly nahe Versailles. Das „alte Königshäuschen“ wurde zunächst von zwei zusätzlichen Flügeln umschlossen. Später entschloss man sich jedoch, das Gebäude zu entfernen (und wieder an anderer Stelle aufzubauen), um so ein stimmiges Gesamtkonzept im Rokokostil zu schaffen.
Schloss Linderhof zitiert in seiner Gestalt französische Lustschlösser (Maisons de Plaisance) des 18. Jahrhunderts, die Ludwig aus zeitgenössischen Kunsttraktaten und späteren Beschreibungen kannte. Ebenso werden Motive des bayerischen Rokokos in der Münchner Residenz und Schloss Nymphenburg (Amalienburg) aufgegriffen. In der Gesamtstruktur ist es jedoch ein eigenes Bauwerk ohne direkte Vorbilder. Von nicht unerheblicher Bedeutung ist die Tatsache, dass Ludwig II. bei den Bauarbeiten für Schloss Linderhof zu einem erheblichen Teil Holz aus der Umgebung verwenden und die Arbeiten von ansässigen Holzarbeitern ausführen ließ. Es ist dem Schloss nicht anzusehen, dass es eigentlich voll aus Holz gebaut und nur mit Putz verkleidet ist. Etwa zu diesem Zeitpunkt führte der König auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. (Quelle: Wikipedia)
Sehenswert ist auf jeden Fall auch der phänomenale Schlossgarten mit dem Bassin und der 22 m hohen Fontäne. Auf einer terassenförmig angelegten Anhöhe befindet sich der Venustempel. die Anhöhe hinter dem Schlafzimmertrakt ist mit einer Kaskade geschmückt und endet im sogenannten Neptun-Brunnen. Exotische Parkbauten sind neben dem Königshäuschen der Maurische Kiosk, das Marokkanische Haus, die sogenannte Hundinghütte und die Einsiedelei des Gurnemanz. Ein besonderes Bauwerk ist die künstliche Venusgrotte, die Bezug auf Richard Wagners Tannhäuser nimmt und als Interpretation der Grotte im Venusberg gestaltet wurde.

Auch von diesem wunderbaren Schloss müssen wir uns verabschieden, haben wir doch noch eine Wegstrecke bis zu unserem Ziel vor uns. Jetzt gilt es Kilometer zu machen. Es geht weiter auf der St2060 durch dichte Wälder bis zur österreichischen Grenze. Hier geht es dann durch den Ammerwald eine etwas kurvigere Strecke. Als die Ammerwald-Straße zur Plansee Landesstraße wir, rückt unser heutiges Ziel in greifbare Nähe. Endlich ist er in Sicht, der Plansee. Mit seinen 2,87 km² Größe ist er sicherlich nicht der kleinste See Österreichs. Beachtlich ist auch seine Tiefe. Immerhin auf 77 m bringt er es an der tiefsten Stelle. Entstanden ist er vermutlich während der letzten Eiszeit. Der Plansee, wie auch sein Nachbar der Heitwanger See, sind Überreste eines eiszeitlichen Schmelzwasser-Stausees. Der Name „Planse“ wird erstmals 1073 in der Grenzbeschreibung des Bistums Freising erwähnt. Andere Namensformen waren unter anderem Please, Plense und Plase. Interessant dabei ist, dass erst in der neueren Zeit See mit zwei „e“ geschrieben wird. Der Plansee ist ungeheuer fischreich. Die Fischereirechte teilten sich die Tiroler Landesfürsten und das Kloster Steingaden. Ab dem 15. Jahrhundert ging das Fischereirecht an das Stift Stam über. Herzog Siegmund und auch dessen Nachfolger, Kaiser Maximilal I. versuchten, sich die besten Fischgewässer anzueignen und ließen sich den Plansee vom Stift Stam abtreten. Allerdings ließ sich das Stift dabei ein beschränktes Fischereirecht einräumen.
1902 wurde ein Wasserkraftwerk am See errichtet und 1908 wurde er durch einen ca. 300 m langen Kanal mit seinem Nachbarn, dem Heitwanger See verbunden, der auch einen der Zuflüsse darstellt. Die Linienschifffahrt wurde 1927 auf dem See eingerichtet.
Bemerkenswert am See ist seine Farbe und die unglaubliche Klarheit des Wassers. Sichttiefen bis zu 15 m sind keine Seltenheit. Entlang dieses azurblauen Sees führt der letzte Abschnitt unserer Fahrt. Nach knapp 5 Kilometern sind wir am Ziel unserer heutigen Tour angelangt. Hotel Seespitze. Im gemütlichen Biergarten lassen wir uns erst einmal eine Brotzeit schmecken, ehe wir uns wieder auf den Heimweg machen.

Ein weiteres Highlight dieses Kurzurlaubes war auf jeden Fall die Schnupperstunde im Golfclub Garmisch-Partenkirchen e.V. Die Anlage liegt nur einen Katzensprung von Oberau entfernt. Der 18-Loch-Platz liegt malerisch in die Landschaft eingebettet. Wie es sich für einen Golfplatz geziemt, ist er außerordentlich gepflegt, jedoch ohne dabei künstlich angelegt zu wirken. Neben dem 18-Loch-Platz gibt es ein Driving Range, zwei Putting Greens und zwei Pitching Greens. Die Übungsstunde wird natürlich nicht auf dem „großen“ Platz abgehalten, um die „Profis“ nicht zu stören. Zum Üben sind die Driving Range, Putting und Pitching Green da. Im Übrigen üben hier auch erfahrende Golfer ihren Abschlag und das Einlochen.Erstaunlich, auf was man beim golfen achten muss. Wetterbedingungen, Windstärke und –Richtung und natürlich die Haltung. Dann gibt es für die verschiedenen Schläge auch noch die entsprechenden Schläger. Als Anfänger schwirrt einem da schon ordentlich der Kopf. Aber Spaß macht es trotzdem. Außerdem ist man an der frischen Luft und bewegt sich nicht gerade wenig. Da in Garmisch Golfwägelchen nicht erlaubt sind, kommen auch ordentlich Kilometer zusammen – diesmal allerdings zu Fuß.

Geeignet für: Anfänger
Kategorie: geile Strecke

Streckenlänge: ca. 62. Km
Maut/Gebühren: keine

Start: Oberauer Alm, Schmiedeweg 13, D-82496 Oberau
Ziel: Hotel Seespitze, Am Plansee 2, A-6600 Gemeinde Reutte

Ungefähre Dauer: ca. 1h 15min
Höhenmeter: ↗2679m ↘2346m

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